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Kai Niebuhr:
Gedankenleser

Kai Niebuhr: Gedankenleser

Künstler

Kai Niebuhr (* 1964)
1964 geboren. 1983 – 1994 Ausbildung/Tätigkeit als Krankenpfleger, 1995 – 2001 Ausbildung/Tätigkeit als Buchhändler, 2001 – 2009 Studium der Freien Kunst, Muthesius Kunsthochschule Kiel, seither freischaffender Künstler in Kiel.

Literatur:
Christopher Prösch / Kai Niebuhr, Kiel, 2011, Ars Borealis 27
… bewegt… Kunst in der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, Carius-Verlag, Kiel, 2013, Band 1

Weitere Informationen:
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Schlagwörter / Ähnliche Werke

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Daten zum Werk

Sachgruppe: Materialbild

Objekt: Näh-Werk

Material: Textilie

Technik: Mischtechnik (Nähen und Zeichen, Collage)

Maße: H: 180 cm, B: 120 cm

Datierung: 2009

Copyright: Kai Niebuhr

Fotorechte: Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein


Beschreibung

Das genähte Bild von Kai Niebuhr wirkt wie eine Mischung aus Collage, Malerei und Zeichnung. Löcher wurden in den Stoff geschnitten und mit feinen bis groben Stoffgittern hinterlegt, durch die man auf die blanke Wand oder auf herabhängende Fäden der Rückseite schauen kann. Die Löcher umsäumt er mit dunklen Zickzackstichen, Linien und Schraffuren erzeugt er mit Steppstichen oder mit dem Zeichenstift. Stickereien aus groben Wollfäden bilden farbige Flächen. Plastikfolie hingegen verschleiert Durchblicke, weißliche Farbflecken hinterlassen andere Spuren.
Bevor er an der Muthesius Kunsthochschule Zeichnen und Drucken lernte, war Kai Niebuhr Krankenpfleger. So wirkt das bearbeitete Baumwoll-Bettlaken wie das Abbild eines Traums, den er als „Gedankenleser“ versucht zu veranschaulichen, weil Worte dafür nicht ausreichen. Heraus sticht oben links vor einer dunklen Wolke mit grauem Mond ein rot besticktes Gebilde, das wie ein blutiger Hoden wirkt. In der unteren Bildmitte steht eine Figur mit eigenartigem, zur Seite blickenden Schweins- oder Hundekopf. Unter der schwarzen Jacke trägt sie ein weißes Hemd mit Stethoskop? Wie einen Luftballon hält sie ein Gebilde, das ein männliches Glied sein könnte. Eine schwere Kugel verhindert das schnelle Emporschweben – oder ist es nur ein dunkles Wollknäuel? Über ihr schweben weitere, durch Fäden oder Ärmchen miteinander verbundene eigenartige Gebilde, die Organe oder Genitalien sein können. Ein stolzer Hirsch mit großem Geweih strebt nach oben rechts, als verließe er gleich die Szenerie.
Niebuhr hatte die Fäden nicht in der Hand. Wenn mit seinen Patienten, vollgepumpt mit Medikamenten, im Dämmerzustand eine Kommunikation nicht mehr möglich war, konnte er nur versuchen, sie zu verstehen und ihre Gedanken zu lesen. Aber er hätte natürlich auch einfach seinen Job machen und wegsehen können. (Imke Lüders in: „bewegt“. Kunst in der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, Bd.01, Kiel 2013, S. 68)